KI ist vom Pilotprojekt zum Standardthema geworden
Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft erstmals bei einer Mehrheit der Unternehmen angekommen. In der repräsentativen Bitkom-Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten geben 57 Prozent an, KI bereits einzusetzen.
Der Sprung ist bemerkenswert: Vor einem Jahr lag der Anteil bei 36 Prozent, vor zwei Jahren bei 20 Prozent. Innerhalb kurzer Zeit hat sich KI damit von einem Thema für Vorreiter zu einer Technologie entwickelt, mit der sich praktisch jedes größere Unternehmen beschäftigen muss.
Fast alle übrigen Unternehmen beschäftigen sich ebenfalls damit
Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren aktuell den Einsatz von KI. Nur vier Prozent sagen, dass die Technologie für sie kein Thema sei. Zusammengenommen bedeutet das: KI ist für nahezu die gesamte befragte Unternehmenslandschaft strategisch relevant.
Das heißt allerdings nicht, dass KI bereits tief in den Organisationen verankert ist. Neun von zehn Unternehmen sehen sich laut Bitkom noch am Anfang. Viele Anwendungen befinden sich weiterhin in Tests, einzelnen Teams oder klar abgegrenzten Prozessen.
Die schwierige Phase beginnt nach dem ersten Experiment
Ein Chatbot oder ein einzelner KI-Assistent lässt sich vergleichsweise schnell testen. Schwieriger wird es, wenn KI auf interne Daten zugreifen, Entscheidungen vorbereiten oder in zentrale Geschäftsprozesse eingebunden werden soll. Dann werden Datenqualität, Zugriffsrechte, Governance und technische Schnittstellen wichtig.
Für Unternehmen verschiebt sich die Aufgabe deshalb von der reinen Einführung zur Skalierung. Entscheidend wird, welche Anwendungen messbar Zeit sparen, bessere Ergebnisse liefern oder neue Produkte ermöglichen – und wie sie sicher in bestehende Systeme integriert werden.
Was daraus für den Standort folgt
Wenn KI breit eingesetzt wird, verändert sich auch der Bedarf an Kompetenzen. Neben klassischen IT-Fachkräften werden Beschäftigte gebraucht, die Fachwissen mit Daten- und KI-Kompetenz verbinden. Das betrifft zunehmend Einkauf, Vertrieb, Produktion, Personal und Verwaltung.
Die hohe Verbreitung ist deshalb weniger ein Endpunkt als der Beginn einer zweiten Phase: Aus einzelnen Tools müssen belastbare Arbeitsabläufe werden. Ob Deutschland daraus einen Produktivitätsschub entwickelt, hängt davon ab, wie schnell Unternehmen diese Integration schaffen.

